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Übersetzung Revolución Integral

Aquest article també està disponible en: Katalanisch Spanisch

Dieser Artikel wurde in der baskischen Zeitschrift „Ekintza Zuzena” Ausgabe 41, publiziert.

Die Stärke der Zusammenarbeit

Das libertäre Ideal einer Gesellschaft, die sich auf eine ehrlich, gleichberechtigt und gerechte Art organisiert, entsteht aus einer Tradition der Kooperation heraus.

Der Mensch als soziales Wesen sieht sich, um seines Lebens Willen, dazu gezwungen mit seinesgleichen zusammenzuarbeiten und Teil irgendeiner Art von sozialer Organisation zu werden. Eine Tradition der Zusammenarbeit entwickelt sich dann, wenn er die Möglichkeiten erkennt, die ihm Kooperation und gegenseitige Hilfe bieten, besonders im Gegensatz zu dem, was ihm deren Abwesenheit oder Konkurrenz (dem Kampf aller gegen alle) bieten. Wenn er versteht, dass sein persönliches Wohl und das Wohl aller sich miteinander in Einklang bringen lassen (und müssen), wird ihm klar, dass sich Förderung und Entwicklung der eigenen Fähigkeiten für alle Individuen innerhalb eines Umfeldes der Kooperation am besten durchsetzen lassen.

Selbst in Gesellschaften, in denen sich Strukturen der Tyrannei, Unterwerfung und Konkurrenz festgesetzt haben, wird soziale Kohäsion durch Umgangsformen und Beziehungen geschaffen, die auf Zusammenarbeit unter Gleichen beruhen. Diese Beziehungen sind es, die dem Leben der Menschen Sinn verleihen, weil sie als einzige fruchtbar sind und es erst ermöglichen Liebe und andere menschliche Grundbedürfnisse zu befrieden und gedeihen zu lassen. Die Reproduktion unserer Spezies überhaupt basiert auf Kooperation und Liebe.

Kooperation entsteht, wenn man sich selbst und andere als gleichberechtigt versteht. Es geht hier nicht um paternalistischen Assistenzialismus1 oder Wohltätigkeit, sonder um Solidarität und Gegenseitigkeit. So widersetzt sich die Kooperation der Hierarchie, dem Privileg und der Machtkonzentration, indem sie die soziale Organisationsform der Versammlung, die Gleichberechtigung im Politischen und Sozialen, übernimmt, sowie den Kollektivismus und die wirtschaftliche Gerechtigkeit. Sie wirkt auch dem Raubbau an der Natur und dem Ökosystem entgegen, welche eine extreme Form der Nichtkooperation mit zukünftigen Generationen darstellen.

Die Krise(n)

Die Krise, der wir gegenüberstehen, ist weder nur, noch vor allem, die eines wirtschaftlichen Abschwungs. Sie ist ein Zusammenspiel schwerwiegender Probleme unterschiedlicher Ursachen, der wir als Menschheit entgegentreten, wobei abzusehen ist, dass diese sie sich in Zukunft deutlich verstärken werden. [1]. Sie ergeben sich aus den Dynamiken und Funktionsweisen des momentanen hegemonialen Herrschaftssystems, das vor über 200 Jahren begründet wurde, und dessen fundamentalen Antrieb der moderne Staat und der Kapitalismus im Zusammenspiel bilden[2]. Das System von Staat und Kapitalismus hat seine Macht dadurch stärken können, dass es kooperative Kräfte und Praktiken gegenseitiger Hilfe angegriffen und geschwächt hat. Diese delegitimieren es und sofern sie ausreichend entwickelt, bei Bewusstsein und organisiert sind, können sie den Versuch starten es umzustürzen und durch Formen des gemeinschaftlichen Zusammenlebens zu ersetzen.

Die Lösungen für die großen Probleme der Gegenwart ergeben sich somit aus der Neuentdeckung der Macht der Kooperation, innerhalb eines transformatorischen Projektes einer ganzheitlichen Revolution der gesellschaftlichen Ordnung, des Wertesystems und der Persönlichkeit der Menschen, die danach streben die aktuellen Institutionen von Staat und Kapital zu demontieren. Dies ist ohne Zweifel eine komplexe und schwierige Aufgabe, aber es ist unmöglich oben genannte Lösungen innerhalb des aktuellen Systems zu finden.

Wir müssen deswegen den Wert der gegenseitigen Hilfe wieder aufblühen lassen, als fundamentales Prinzip, nach dem wir Kultur entfalten, uns gegenseitig erschaffen und das gemeinschaftliche Leben organisieren können. Dies bedeutet den Makel der falschen Werte, Ideen, Verhaltensweisen und negativen Tendenzen zu bekämpfen, die Staat und Kapitalismus mit wenigen Ausnahmen haben erfolgreich unter den verschiedenen sozialen Schichten der unterschiedlichen Gesellschaften dieser Welt verbreiten können. Im Fall der jüngeren Geschichte Spaniens mussten die Brutkästen der Bewusstseinsbildung und die damit einhergehende Kultur der Genossenschaften und Selbstverwaltung, sprich des Antikapitalismus, erst im Zuge des Aufstands von 1936 und der darauf folgenden Periode der Diktatur Francos niedergemetzelt werden. Später gründete sich darauf, wie in anderen Ländern der „Ersten Welt“ – und in denen, die sich, um es mit einem Euphemismus zu umschreiben, „auf dem Weg der Entwicklung“ befinden – die Konsumgesellschaft – auch Indoktrinierungsgesellschaft genannt – um exponentiell die Anhäufung von Macht, Unterwerfung und Degradierung der Bevölkerung zu vergrößern: durch die Indoktrinierung von „Bildung“ in den Grundschulen [3], den weiterführenden Schulen und den Universitäten durch den Staat selbst oder durch das Privatkapital; durch die Lohnarbeit, die die Subjekte aussaugt[4] und ihre Energie und Lebenszeit absorbiert; den sogenannten „Wohlfahrtsstaat“[5], Erbe des aufgeklärten Despotismus („alles für das Volk aber ohne das Volk“) und Substitut des Wissens um volkstümlichen Formen der Selbstverantwortlichkeit durch das Genossenschaftswesen und gegenseitige reziproke Hilfe[6]; die massiven Angriffe auf das Bewusstsein der Menschen, die sich aus dem Bombardement an Nachrichten, Bildern und Eindrücken, Werbeanzeigen und anderem ergeben, mit dem Ziel uns herabzuwürdigen ; die erniedrigende, als „demokratisch“ bezeichnete Farce des Parlamentarismus und der politischen Parteien[7], der alle „Kommunikations“- und Massenmedien folgen; die komplette Kursabweichung der Linken[8] und der institutionalisierte Gewerkschaftsarbeit[9] hin zur Anbetung von Geld, wobei alles andere vergessen wird…

Der Traum von Überfluss (d.h. Verschwendung) der Mittelklassen ist geplatzt, sichtbar dadurch, dass sich der „Wohlfahrtsstaat“ langsam zurückzieht oder seine Leistungen einschränkt, sich die soziale Krise vergrößert und es den Anschein hat, als ob das gerade erst der Anfang war. Wir müssen uns deswegen beeilen unsere Vorschläge vorzulegen: wir sehnen uns weder nach der Konsumgesellschaft zurück, noch sehen wir Legitimität in den Institutionen des Staates (auch nicht in denen des „Wohlfahrtsstaates“, obwohl wir ihn nicht komplett von einem Tag auf den anderen aufgeben werden), wir sehnen uns nach einer „volksnahen“ Kultur [„cultura popular“ Anm. d. Ü.] und nach Formen der Selbstverwaltung und Hierarchiefreiheit, die es uns ermöglichen diesen Problemen entgegenzutreten. Lasst sie uns zurückerobern!

Wir müssen uns als Gesellschaft neu ordnen, da wir gerade als solche praktisch in Einzelteile zerlegt sind. Wir müssen die gesellschaftlichen Bande wiederherstellen, das heißt, am Rande von staatlichen Institutionen und Kapital, durch alle Arten von Initiativen und Praktiken der Selbstverwaltung und des Genossenschaftswesens, gemeinsam und solidarisch. Wir müssen gleichzeitig vorne an stehen, wenn es um Vorschläge, Reflexion, die aktualisierte Analyse der wichtigsten Dinge der Gegenwart und die Diskussion von Ideen geht, indem wir den kritischen Geist und die öffentliche Debatte fördern, die ideologischen Stützbalken des Systems zerlegen, um das Bewusstsein aufblühen zu lassen, dass es uns ermöglicht das revolutionäre Projekt zu entwerfen, das folgendes beinhalten sollte: 1) eine radikale Analyse, die an den Wurzeln ansetzt, und die wirklich antisystemisch ist; 2) eine Vision – allgemein aber gefestigt, vernünftig, ohne Dogmatismen oder Utopismen – der Grundfesten einer Alternative, sowohl was soziale Organisation als auch Wertesystem angeht; 3) generelle Prinzipien und Leitlinien einer transformatorischen Strategie.

Die cooperativas integrales, die ganzheitlichen Genossenschaften, begreifen sich hierbei als strategische Werkzeuge.

Die ganzheitlichen Genossenschaften

Die ganzheitlichen Genossenschaften sind ein Vorschlag zur Schaffung einer Basis gesellschaftlicher Gegenmacht, die Spiegelbild einer ersehnten neuen Gesellschaft sein soll. Sie organisieren sich nach den Prinzipien der direkten Demokratie (d.h. offene Versammlungen), Kooperation innerhalb eines Netzwerks und Dezentralisierung. Ihr Sinn besteht darin, dass sie uns erlauben sollen, uns in folgenden Aufgabengebieten weiterzuentwickeln:

1) Aufzeigen (und daran erinnern) welches die Alternative zur hierarchischen Gesellschaftsordnung ist: eine Organisierung über Versammlungen innerhalb eines Netzwerks, basierend auf der Selbstbestimmung/Autonomie von Personen und Gruppen, auf direkten Entscheidungsfindungsprozessen und auf einer kommunalen Verwaltung fundamentaler Wirtschaftsgüter. Gleiches gilt für unsere Werte: gegenseitige Hilfe und Solidarität-Brüderlichkeit anstatt Herrschaft und Gleichgültigkeit; Bestrebung nach Selbstständigkeit und Verbessern des persönlichen Befindens und Verantwortung für das Gemeinwohl, anstatt allen alles selbst zu überlassen und das im Egoismus verharren; Mut und Integrität für den Kampf gegen Unterdrückung anstatt Feigheit und Hörigkeit , etc.

2) Eine gesellschaftliches Fundament an materiellen und technischen Möglichkeiten aufbauen (wirtschaftlich, finanziell, technologisch, kommunikativ, etc.), mit dem verschiedene Arten von strategischen Initiativen angestoßen und weiterentwickelt werden, die eine gemeinschaftliche Ökonomie als ganzheitliche Alternative voranbringen können, um vor allem die Abhängigkeit vom staatlich kapitalistischen Wirtschaftssystems zu überwinden. Ausgehend aus dieser schöpferischen Kraft entwickeln sich Selbstorganisation und kann Selbstschutz aufrecht erhalten werden, was unabdingbar dafür ist mögliche Aggressionen seitens der Eliten abwenden zu können, wie sie in der Geschichte wiederholt vorgekommen sind. Dies lässt sich als Prinzip des „aufbauenden Zerstörens“ verstehen, auf das sich die neue griechische Tendenz zur Konsolidierung des „sozialen Anarchismus“[10] bezieht.

3) Die Transformation im inneren der Menschen ausbauen, die es ihnen ermöglicht zu experimentieren und eigene Versuche zu starten Praktiken der Selbstverwaltung und des Genossenschaftswesens auszuprobieren, mit allem, was dazu gehört (Selbstorganisation in Versammlungen, Teilen, Lernen miteinander umzugehen und zwischenmenschliche Konflikte zu lösen…). Das kann dadurch erreicht werden, dass immer mehr Menschen so weit wie möglich am Rande der Strukturen und Werte des Systems leben können. Der eigene innere Wandel ist hierbei von besonderer Bedeutung, damit ausgehend hiervon ein gesellschaftlicher Wandel stattfinden kann.

Die ganzheitlichen Genossenschaften nutzen einige Aspekte des momentanen Rechtssystems, indem sie sich rechtlich als Genossenschaften konstituieren. So lassen sich gemeinschaftliche Ressourcen schützen, während der Staat nicht zusätzlich gefüttert wird, und eine selbstverwaltete Umverteilung stattfindet. Indem wir uns dadurch schützen, dass wir bürokratische Verpflichtungen minimieren, erschaffen wir Umstände, die für eine weiter Entwicklung qualitativ vorteilhafter sind, um unsere Ziele zu erreichen.

Das erste Mal, dass die Idee einer ganzheitlichen Kooperative ausgebreitet wurde, war in der Massenpublikation „¡Podemos!“[11] im Jahr 2009. Drei Jahre später wurde diese Idee wieder aufgegriffen und weiterentwickelt und in „¡Rebelaos!“[12] abgedruckt. Die erste Genossenschaft, die nach einer Reihe von Experimentier- und Reflexionsphasen in Zusammenarbeit zwischen Einzelpersonen und verschiedenen Initiativen in dieser ganzheitlichen Perspektive gegründet wurde, war vor über drei Jahren die Cooperativa Integral Catalana (CIC).

Die Cooperativa Integral Catalana

Die Cooperativa Integral Catalana (CIC) [katalanische ganzheitliche Genossenschaft] begann ihren Werdegang im Mai 2010. Sie übernahm Prinzipien und Praktiken, die aus einem weiten Spektrum von Aktivist_innen zu dieser Zeit hervorgegangen sind, welche sich im Rahmen von Projekten und Initiativen der Selbstverwaltung und Landverteidigung hervorgetan haben, und hauptsächlich mit der „degrowth“/post-Wachstums Bewegung in Zusammenhang stehen.

Aus diesem Kontext entstand der Wille eine neue Initiative des Übergangs voranzutreiben, die es durch Selbstorganisation ermöglichen sollte, Bedingungen zu schaffen, die die momentanen Einschränkungen der aktuellen kapitalistischen Gesellschaft, sprich Banken und Markt, überwinden zu können.

Zu dieser Zeit wurde eine Strategie entwickelt, die die selbstverwalteten Aktivitäten vor den erwähnten hegemonialen Mächten hauptsächlich im Wirtschafts- und Rechtsbereich schützen sollte. Daher erklärt sich die taktische und gemeinschaftliche Nutzung der Genossenschaften, die einer Vielzahl an privatinsolventen Personen einen Schutzraum bietet, die wirtschaftlichen Aktivitäten hunderter autonomer Projekte sichert, Schirmherrschaft über vergenossenschaftlichte Bauernhöfe übernimmt oder neue Projekte finanziert, die aufkommende Netzwerke der Selbstverwaltung nähren werden. Außerdem werden es bald die gemeinschaftliche Entwicklung neuer Technologien und die Ausbreitung von Informationen und Wissen über das Internet ermöglichen, neue Schlüsselwerkzeuge zur Überwindung der Abhängigkeit gegenüber des Wirtschafts- und Bankensektors zu schaffen, vor allem die der staatlichen Überwachung und Kontrolle.

In der Zwischenzeit haben diese Aktivitäten es erlaubt, Wege der Selbstfinanzierung und Selbstverwaltung zu schaffen, und daraus folgend wurde die Verantwortlichkeit für gemeinsame Entscheidungen der Versammlungen über die kohärente Umverteilung von Ressourcen gestärkt, mit dem Ziel Gemeinschaftsgüter und Werkzeuge zu schaffen, die die Netzwerke der Selbstorganisation in diesem Gebiet weiter stärken sollen.

Inspiriert durch diese Netzwerke sind vielzählige autonomen Initiativen der „bioregionalen“ Selbstorganisation, wie die der „ecoxarxas“ (Ökonetzwerke) und anderer Kerngruppen der Selbstverwaltung in einem lokalen Kontext verwirklicht worden. Ebenso verhält es sich mit der steigenden Verwendung von sozialen Währungen und anderen Systemen wirtschaftlicher Beziehungen auf Vertrauensbasis.

Gleichzeitig wurde damit begonnen Grundzüge für Systeme zur Förderung von Gemeingütern durch gegenseitige Hilfe und Kooperation einzurichten, weit entfernt von Konkurrenz und Ausbeutung die aus dem Komplex von Staat und Markt hervorgehen. Diese Systeme verstehen sich als Vorschläge eines „öffentlichen Genossenschaftssystems“ – als Alternativprojekt zum „Wohlfahrtsstaat“ – in dem Bildung, Gesundheit, Wohnraum, Ernährung, Transport und Recht enthalten sind, und in dem aufeinander abgestimmte Arbeitsgruppen damit beginnen im kleinen Rahmen Erfahrungswerte der Selbstverwaltung in diesen Bereichen zu sammeln. Dabei muss immer im Hinterkopf behalten werden, dass die Entwicklung des Gemeinschaftsfaktors und der persönlichen Eigenverantwortung Schlüsselmomente hierbei darstellen.

In gleicher Weise ist es auch ein primäres Ziel Initiativen der selbstverwalteten Produktion zu unterstützen, menschlichen Beziehungen und ihnen immanenten Konflikten Raum zu geben und Netzwerke und Kommunikationskanäle zu entwickeln, die der neuen Realität der Selbstverwaltung eine Stimmer verleihen (auch über die CIC hinaus)[13].

Durch Erfahrungen mit der CIC und anderen Initiativen der kollektiven Selbstverwaltung inspiriert, sind in den letzten Jahren diverse Projekte ganzheitlicher Genossenschaften und andere Prozesse netzwerkartiger Selbstorganisation hervorgegangen, hauptsächlich auf der iberischen Halbinsel, den Balearen und in Südfrankreich. Einige Beispiele sind die Cooperativa Integral Valenciana (A Tornallom), die Cooperativa Integral Aragonesa, die Cooperativa Integral Granaína, die Cooperativa Integral Asturiana, die Mancomunidade Integral Galega, das EcoXarxa Mallorca, das EcoRed Salamanca, die Cooperative Integrale Toulousaine, das EcoRéseau Pays Nantais, Herri Kooperatiba im Baskenland etc. Es gibt auch Initiativen mit ähnlichen Zielen, wie die Redes Autogestionadas de Málaga, das Red Horizontal de Autogestión und das Red de Colectivos Autogestionados (Madrid), das Kollektiv Auzolan im Baskenland etc.

Aus diesen gesammelten Erfahrung innerhalb der Netzwerke lässt sich ein Weg hin zu einer ganzheitlichen Revolution skizzieren, auf dem wir uns verorten können. In dem Maße, wie es gelingt eine gesellschaftliche Gegenmacht zu entwickeln, wird dieser Weg mit Kraft und Geschlossenheit im lokalen und regionalen Kontext begangen. Dies sind die Grundpfeiler über die sich die Eigenmächtigkeit der Menschen in einer zukünftigen selbstverwalteten Gesellschaft ausdrücken könnte, basierend auf einer Wiedereinbettung des politischen, ökonomischen und sozialen Lebens. Natürlich sollte dabei nicht die globale Dimension einer Revolution und die Dringlichkeit Fortschritte des Befreiungsprozessen in alle Teilen der Welt weiterzutragen, außer Acht gelassen werden.

Eine ganzheitliche Revolution

Der Begriff „ganzheitliche Revolution“ soll ein erster Schritt sein hin zu einem revolutionären Projekt, indem wir aus der Vergangenheit lernen[14]. So sollte die grundlegende Wichtigkeit einer qualitativen Umgestaltung der Revolutionär_innen selbst und der Gesellschaft als ganzes verstanden werden, die notwendigerweise mit einer politischen, sozialen und wirtschaftlichen Umgestaltung einhergehen muss. Eine emanzipatorische Sichtweise kann sich nicht nur auf etwas uns äußerliches beziehen, sondern muss gleichzeitig Innen und Außen im Blick behalten.

Die Verantwortlichkeit sich selbst zum Besseren hin zu verändern, was besonders auf Grund der Vorstellungswelt des aktuellen Systems vergessen und gering geschätzt wird, muss etwas alltägliches für die Revolutionär_innen werden, das mit Selbstreflexion der Individuen und Gruppen einhergeht. Wir müssen uns gemeinsam der schlechten Dinge bekennen, unter denen wir leiden, welche die besonders ernst und problematischen sind, und uns gegenseitig dabei unterstützen an ihnen zu arbeiten und sie zu überwinden. So können wir wirklich unsere Fähigkeiten und positiven Eigenschaften im Sinne der Prinzipien, Ideen und Ziele einer Revolution weiterentwickeln.

Wenn wir uns bewusst werden, dass die aktuelle Kraft des Duos Staat-Kapital und von Herrschaft im Generellen aus der Herabwürdigung, Fügsamkeit und der Schaffung der Menschen selbst aus der Macht heraus herrührt – woher die aktuelle Dekadenz der Werte und Ideale, Kultur, Ethik, Philosophie, Zusammenlebens, etc. stammt –, wird klar, dass wir bewusst eine neue subversive und solidarische Kultur erschaffen müssen, die uns durch unsere eigenen Mühen und und unserer Hingabe stärkt. Dies beinhaltet die Notwendigkeit einer tiefgehenden und existenziellen Reflexion, was bedeutet die Zügel selbst in die Hand zu nehmen, als vergängliche Menschen im Angesicht des Lebens.

Vor kurzer Zeit schrieb Heleno Saña: „Die Revolution ist nicht nur eine Art zu denken, sondern auch eine Art zu sein, die mit den elementaren Dingen wie der guten Erziehung, Feingefühl, Sanftmut, Redlichkeit der Gefühle, Ritterlichkeit und Edelmut beginnt, Eigenschaften die die Grundzüge dessen darstellen, was Schiller die „schöne Seele“ nannte. Gleichzeitig schließt dies Selbstkritik und Offenheit eigene Fehler Einzugestehen mit ein. Ohne diese Bescheidenheit werden wir unausweichlich immer der latenten Verführung der Selbsterhöhung, der Selbstgefälligkeit, des Dogmatismus, der Anmaßung und des Übermuts erliegen, eines der moralischen Gewichte, die die geistige Reinheit der revolutionären Sache meist trüben“[15]. Dieser Genosse erinnert uns an die ungemeine Wichtigkeit der „subjektiven Dimension“, dadurch, dass keine „objektiven Kräfte der Geschichte“ existieren, die automatisch und unpersönlich ablaufen, die uns auf den Weg der Befreiung hinführen könnten.

Ein problematisches Beispiel für die momentanen negativen Tendenzen sind die sich anhäufenden persönlichen Zusammenstöße, die Schwierigkeit miteinander zusammenzuleben und sich gegenseitig gut zu behandeln, die Verschiedenheiten und Unterschiedlichkeiten zu verstehen, die in der Natur von Gesellschaften liegen, zu sehen, was uns eint, anstatt was uns trennt.

Wie heißt es so schön: „Wir tragen eine neue Welt in unseren Herzen“. Wir, die wir für die Revolution einstehen, müssen uns als charakterfeste Menschen selbst neu erschaffen, um als Beispiel und Inspiration in den wichtigsten Dingen voranschreiten zu können.

Anmerkungen:

[1] Über die wirtschaftliche, politische, soziale, ökologische, … Krise aus einer Perspektive der letzten 200 Jahre, siehe “Crisis multidimensional y democracia inclusiva” (Takis Fotopoulos, 2005); über die Krise des Menschen als Entmenschlichung, Verlust dessen, was ihn einst ausgemacht hat, siehe “Crisis y utopía en el siglo XXI” (Félix Rodrigo Mora, 2010); über die Energiekrise siehe die die wichtigsten Beiträge des pädagogischen Blogs “The Oil Crash”, von Antonio Turiel, und “La quiebra del capitalismo global: 2000-2030. El inicio del fin de la energía fósil: una ruptura histórica total” (Ramón Fernández Durán, 2011); Tiefergehendes über die ökologische Krise, siehe “El Antropoceno. La crisis ecológica se hace mundial” (Ramón Fernández Durán, 2010).

[2] Für die Analyse von Geschichte und Erfahrung sowie Theorie und Logik dieser empfehle ich die Lektüre von “Hacia una democracia inclusiva. La crisis de la economía de crecimiento y la necesidad de un nuevo proyecto liberador” (Takis Fotopoulos, 1997) und “La democracia y el triunfo del Estado” (Félix Rodrigo Mora, 2010).

[3] In der dritten Ausgabe der libertären Zeitschrift “Estudios” (“Control y obediencia”, 2013), Mario Andrés Candelas erhellenden Beitrag dazu: “Infancia y control social: desmontando mitos sobre la institución escolar”.

[4] Dafür ist die Lektüre von “La condición obrera” unabdingbar, in seiner Neuerscheinung mit Texten der Französin Simone Weil.

[5] Diese Kritik wird in zwei relativ kürzlich erschienen Texten ausgebreitet, wie “Para una crítica radical al Estado Social de Derecho” (Pedro García Olivo, 2012) oder “¿Estado de bienestar o revolución?” (Grupo Antimilitarista Tortuga, 2011).

[6] Siehe beispielsweise “El Estado de bienestar ha contribuido decisivamente a la destrucción del movimiento obrero consciente y organizado”, Kapitel XXIV von “El giro estatolátrico. Repudio experiencial del Estado de bienestar” (Félix Rodrigo Mora, 2011). Auch, “Les cooperatives obreres de Sants. Autogestió proletària en un barri de Barcelona (1870-1939)” (Marc Dalmau e Ivan Miró, 2010).

[7] Iinteressant zu lesen “Nota sobre la supresión de los partidos políticos” von Simone Weil (“Escritos de Londres y últimas cartas”, 1957).

[8] Antón Dké erklärt warum wir “den Stopfen, in den sich die Linke verwandelt hat” entfernt werden muss in un artículo publiziert im November 2013 in “El blog de Nanín”.

[9] Miguel Perera und Miguel A. Pérez, “La larga deriva del sindicalismo oficial: crisis, control, erosión y la reconstrucción anarcosindicalista de la reivindicación”, Zeitschrift “Estudios” nº 3.

[10] “Anarquismo social, una corriente de futuro”, von Aris Tsioumas. Original publiziert in “Κοινωνικός Αναρχισμός” („sozialer Anarchismus”) und übersetzt ins Spanische in der dritten Ausgabe der Zeitschrift “Estudios”.

[11] Am 17 März 2009 erschienen 350.000 Exemplare dieser Publikation. Die Ideen über Genossenschaften erscheinen auf Seite 14. [http://enricduran.cat/es/publicaciones-masivas-2]

[12] Diese weitere Publikation mit 500.000 Exemplaren vio la luz el 15 de marzo de 2012. En su portada se lee “¿todavía crees que necesitamos al Estado?” und “germinemos la semilla de la revolución integral”. [http://rebelaos.net]

[13] Ich empfehle einen Artikel über den Stand der Entwicklung, der Ende 2013 auf der Webpage der CIC veröffentlicht wurde. [http://cooperativa.cat/es/que_ha_hecho_la_cic-en_2013]

[14] Im letzten Jahr gab es einen Aufruf zur Schaffung eines internationalen politischen und ideologischen Rahmens, den die gesamtheitliche Revolution nehmen könnte. Ihre Grundpfeiler sind eine interessante Zusammenstellung von Prinzipien. Die CIC übernahm diese und andere Genossenschaften zeigten genauso Interesse daran. [http://integrarevolucio.net]

[15] “Emancipación y cultura. Reflexiones sobre los nuevos movimientos de protesta”. Erschienen in der Ausgabe Nr. 37 der Zeitschrift “Enciclopèdic”, November 2011.

1[eine Form der Armenfürsorge, die Abhängigkeiten schafft, anstatt die Betroffenen zu ermächtigen, Anm. d. Ü.]

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